Aus dem Nachwort von "Warum tötest du, Zaid?"
Jürgen Todenhöfer hat das, was er bei seiner Lektüre und bei seinen Reisen gelernt hat, in zehn Thesen zusammengefasst. Es sind keine wissenschaftlichen Thesen, sondern seine ganz persönliche Sicht der Dinge. Er hat versucht, die Ereignisse der letzten zweihundert Jahre im Mittleren Osten nicht nur aus der Perspektive eines Westlers, sondern einmal auch aus dem Blickwinkel eines Muslims zu sehen.
Die Thesen des Autors sind sehr komprimiert und sehr dicht. Sie enthalten eine Fülle historischer Fakten, ohne die man den Konflikt zwischen Okzident und Orient nur schwer verstehen, geschweige denn lösen kann.
Die Thesen enthalten auch Verallgemeinerungen, auf deren Problematik der Autor ausdrücklich hinweist. Wenn er vom „Westen“ spricht, meint er in erster Linie die jeweilige politische Führung der großen westlichen Länder. Es gibt westliche Länder, die sich nie des Kolonialismus oder des Neokolonialismus schuldig gemacht haben. Und es gab und gibt im Westen zahllose Menschen, die sich zu allen Zeiten leidenschaftlich für eine faire Behandlung der Muslime eingesetzt haben.
Auch der Begriff „muslimische Welt“ ist eine Verallgemeinerung, die letztlich der Vielfalt der islamisch geprägten Staaten nicht gerecht wird. Trotzdem wurde dieser Begriff verwendet, um die großen Linien der Beziehungen zwischen Orient und Okzident in verständlicher Form aufzeigen zu können. Dass es letztlich trotz zahlloser Besonderheiten in den einzelnen Ländern einen tiefgreifenden Konflikt zwischen dem „Westen“ und der „muslimischen Welt“ gibt, lässt sich leider nicht bestreiten.
Jürgen Todenhöfers Thesen werden viel Kritik hervorrufen. Er hofft, dass sich in der Diskussion vieles klären wird. Es ist Zeit, dass wir unsere Augen öffnen. Unsere augenblickliche Politik gegenüber der muslimischen Welt hat keine Zukunft.













































